Das Frischkleben - Theorie und Praxis

 
Seit Ende der 80 er Jahre hat sich das Frischkleben im Tischtennissport immer mehr verbreitet. Mit ein Grund hierfür war, dass die Entwicklung im Bereich der Beläge einen Stillstand erreicht hatte und das Potential des vorhandenen Materials was Effet und Geschwindigkeit anging ausgereizt war. Zunächst wurden von vielen Spielern Kleber verwendet, wie sie zum reparieren von Fahrradschläuchen gebraucht werden. 

Sehr schnell wurde die Idee des Frischklebens dann von der TT-Industrie übernommen und die Kleber weiterentwickelt. Heute sind sie aus dem täglichen Trainings- und Spielbetrieb nicht mehr wegzudenken und werden zuweilen schon im Schülerbereich verwendet. 

Was passiert beim Frischkleben ?

Noch nicht bis ins letzte Detail ist geklärt, was sich beim Frischkleben zwischen Belag Holz und Kleber abspielt. Wieder einmal zeigt sich hier, dass der Tischtennissport zu den wenigen Sportarten gehört deren theoretischen Hintergründe zu einem großen Teil noch weitgehend im Dunkeln liegen. 

Klar scheint zu sein, dass die Lösungsmittel der verwendeten Klebstoffe den entscheidenden Anteil an der erhöhten inneren Spannung des Belages haben. Da diese Lösungsmittel sehr stark flüchtig sind ist bekanntermaßen auch der Effekt des Frischklebens zeitlich begrenzt und der Kleber muss immer wieder neu aufgetragen werden. 

Durch das Frischkleben lassen sich vor allem zwei Dinge erreichen. Zum einen eine messbare Erhöhung der Ballrotation um rund 10 %, zum anderen eine Erhöhung der Ballgeschwin-digkeit um etwa 5 %. Das entspricht in etwa einem Unterschied von 0,7 mm Schwammstärke eines Belages. 
 

Vor- und Nachteile des Frischklebens
 

Vorteile

  • Gewinne in den Bereichen Rotation und Geschwindigkeit 


Nachteile

  • Deutlich erschwerte Ballkontrolle, besonders im Spiel über dem Tisch 
  • Hat sich ein Spieler für das Frischkleben entschieden, muss vor Training und Spiel geklebt werden. 
  • Erhöhter Verschleiß der frischgeklebten Beläge ( Blasenbildung Risse - besonders wenn Beläge mit Spannung aufgebracht werden. ) 
  • Erhöhte Koste durch die regelmäßige Verwendung des Frischklebers 

 
 

Die verschiedenen Techniken des Frischklebens

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Techniken des Klebens entwickelt. Es werden Holz und Belag mit einer oder mehreren Schichten Kleber eingestrichen. Es muss jeweils gewartet werden, bis eine Schicht trocken ist bevor die nächste Schicht aufgetragen wird. 

Dabei gilt : Je mehr Schichten Kleber aufgetragen werden, desto schwieriger wird die Ballkontrolle.

Eine weitere Methode ist es, den Belag, nachdem der Kleber aufgetragen wurde, mit einer Rolle unter Spannung auf das Holz aufzubringen. Hierdurch lässt sich unter der Inkaufnahme eines weiteren Kontrollverlustes das Letzte aus dem Belag herausholen. (Diese Methode ist jedoch mit Vorsicht anzuwenden, - siehe oben ) 

Nach einer gewissen Anzahl von Klebevorgängen muss der alte Kleber der auf den Belag aufgetragen wurde wieder vorsichtig abgelöst werden, um wieder den vollen Effekt des Frischklebens zu erhalten. 

Es bleibt somit jedem Spieler selbst überlassen, die für sich beste Methode zu finden um seinen Schläger optimal für seine Bedürfnisse zu "tunen"
 

Wann soll mit dem Frischkleben begonnen werden ?

Vor einem zu schnellen Einstieg in das Frischkleben kann nur dringen abgeraten werden. Die weitverbreitete Unsitte bereits im Jugend- und sogar Schülerbereich dieses Mittel aus dem Leistungs- und Hochleistungsbereich zu verwenden führt in der Regel dazu, dass Grund-techniken nicht genügend ausgebildet werden. 

Zunächst sollten in jedem Fall die vorhandenen Schwammstärken bis hin zur maximalen Stärke genutzt werden. Wird dieses Material auch im Spiel über dem Tisch sicher beherrscht, kann daran gedacht werden mit dem Frischkleben zu beginnen. Nur bei intensivem zumindest 2 bis 3 maligem Training pro Woche lassen sich dann die Möglichkeiten die das Material bietet auch gewinnbringend einsetzen. 
 

Tensor-Technik - die Anwort auf das Frischkleben

Als eine Antwort der TT-Industrie auf die Tendenz zu immer schnellerem Material können die seit einiger Zeit erhältlichen Tensor Beläge gesehen werden. Hier wurde unter dem Druck der zunehmenden Zahl der "Frischkleber" nun ein Material entwickelt, das durch Veränderungen im Aufbau des Schwammes den Effekt des Frischklebens "eingebaut" hat. 

Diese Beläge dürfen teilweise nicht mehr geklebt werden um die Struktur der Schwamm-unterlage nicht zu zerstören und sollten nach dem Spielen jeweils mit einer mitgelieferten Folie abgedeckt werden. 

Da es bei den Belägen mit Tensor – Technik inzwischen eine große Auswahl gibt, von solchen für eher spinorientiertes Spiel hin zu solchen für eher tempoorientiertes Spiel, stellt diese neue Sorte von Belägen durchaus eine Alternative für diejenigen dar, die den Aufwand und die mit dem Frischkleben verbundenen Kosten scheuen. 

Fazit

Als Vorteil des Frischklebens bleibt neben dem psychologischen Aspekt bestehen, dass sich das Material durch die verschiedenen Möglichkeiten des klebens, für denjenigen der sich durch Aufwand und Kosten nicht abhalten lässt,  sehr speziell auf die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden kann. 
 



 

Kurzanleitung zum Frischkleben
 
 

Frischkleben mit einem neuen Belag

Vorarbeiten

      1. Holzversiegelung
Um zu verhindern, dass beim wiederholten Abziehen des Belages vor dem Kleben Holzfasern mit aus dem Schlägerblatt herausgelöst werden sollte das Schlägerblatt dringend mit einem Lack zur Holzversiegelung behandelt werden. So lässt sich dann der geklebte Belag ohne Mühe lösen. 
Sollten sich frischgeklebter Beläge wiederholt an den Rändern des Schlägerblattes ablösen sollte ein schmaler Streifen des Blattes mit einem feinen Schmirgelpapier wieder vom aufgetragenen Holzlack befreit werden. Zudem kann das Ablösen des Belages durch die Verwendung eines Kantenbandes verhindert werden.

      2. Vorkleben
Vor dem ersten Aufkleben ist unbedingt das Vorkleben mit einem Normal-Kleber erforderlich.
Hierzu wird der Belag satt mit dem Kleber eingestrichen und abgewartet bis der Klebstoff vollständig getrocknet ist.
Der Sinn besteht darin, dass sich die Poren des Belaggummis mit Kleber sollen. Hierdurch sinkt der Verbrauch des Frischklebers erheblich. Das beschriebene Vorkleben ist nur 1x erforderlich.


 Frischkleben mit einem vorgeklebten oder bereits einmal geklebten Belag
 

  • Belag mit Frischkleber gleichmäßig einstreichen und ablüften lassen 
  • Holz mit Frischkleber gleichmäßig einstreichen und ablüften lassen
  • Belag zum 2. mal mit Frischkleber einstreichen und ablüften lassen (Vorgang kann bei Bedarf wiederholt werden)
  • Wenn der Kleber auf dem Belag keine Fäden mehr zieht Holz und Belag verkleben